Allein mit Strecke ist ,,kein Staat zu machen“

VRME-Paper, 4.11.2019 – von Matthias Laux

Stadtverordnete debattieren über die Reaktivierung der Aartalbahn: Die Bedenken überwiegen

WIESBADEN. Es war exakt 21.56 Uhr am fortgeschrittenen Donnerstagabend, als ein weiterer Vorstoß zur Reaktivierung der Aartalbahn sein schroffes Ende fand: Die Stadtverordnetenversammlung hatte abgestimmt – und mehrheitlich beschlossen, dass der Antrag der Fraktion LKR & ULW „durch Aussprache erledigt“ sei.

Dabei hatte sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Veit Wilhelmy, zu Beginn der Diskussion noch durchaus optimistisch gezeigt, in der jahrelangen Debatte einen neuen Impuls setzen zu können. Auch aufgrund der aktuell zu diagnostizierenden Schwierigkeiten: ,,Die Verkehrsprobleme in Stadt und Umgebung sind dringend und offenkundig. Die Nerven der Verkehrsteilnehmer liegen blank.“

Lange Bauzeiten wegen des schlechten Zustands?

Claus-Peter Große, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, äußerte unumwunden seine Bedenken. ,,Ich lese in dem Antrag: ,Wir wollen eine schnelle Reaktivierung‘. Aber da muss ich erstmal gucken, was ich da vor mir habe“, so Große. ,,Wir haben eine Strecke, die deutlich in die Jahre gekommen ist, die über längere Jahre keinerlei ernsthafte Unterhaltung erfahren konnte. Das große Ganze der Strecke ist sicherlich in einem Zustand, der in so einem Fall drin­ gend aufgearbeitet werden müsste. Und das ist dann nicht mal eben damit getan, nur die Schienen zu tauschen. Das heißt, wir haben Bauzeiten, die sich schon im Rahmen einiger Jahre bewegen.“

SPD-Politiker Gerhard Uebersohn, Vorsitzender des städtischen Ausschussesfür Planung, Bau und Verkehr, führte im Plenum aus: ,,Man kann Bad Schwalbach als großen Umsteigepunkt ins Auge fassen, also dass nördlich davon tat­sächlich wieder die Aartalbahn reaktiviert werden ·würde. Südlich davon, in Richtung Wiesbaden, ist die einzig realis­tische Perspektive jedoch die City-Bahn.“

„Wir als FDP haben eigentlich nichts dagegen, über die Reaktivierung noch einmal intensiver zu sprechen“, so der Stadtverordnete Alexander Winkelmann. ,,Deswegen werden wir dem Antrag auch gerne zustimmen. Denn es ist nicht völlig unrealistisch, dass wir die Möglichkeit bekommen, das zu reaktivieren – auch unabhängig von einer City­  Bahn.“

Während sich Hans-Joachim Hasemann-Trutzel (CDU) eine Vertiefung des Themas im Ausschuss für Planung, Bau und Verkehr wünschte, zitierte Stadtrat Andreas Kowol (Grüne) vorliegende Eruierungen: ,,Vom Jahr 1985 bis heute gibt es sage und schreibe 15 Untersuchungen, die eine Reaktivierung oder Teilreaktivierung – auch im Zusammenspiel mit Neubaumaßnahmen – dieser Strecke untersucht haben. Alle diese Untersuchungen kommen uni­sono zu dem Ergebnis, dass eine Reaktivierung ohne Stadtbahn oder City-Bahn nicht sinnvoll ist.“ Die Kosten für eine Reaktivierung werden laut Kowol mit 70 Millionen Euro beziffert – ,,aber das wird bei Weitem nicht alles sein“.

Verkehrsdezernent Kowol benannte am Donnerstagabend im Rathaus unter anderem eine Analyse des Rhein-Main­ Verkehrsverbunds aus dem Jahr 2012, der zufolge bei der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) ein Wert unter Null rauskomme. Kowol: ,,Da ist eingeflossen, dass die Reaktivierung einen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. Einfach aus dem Grund, weil sich Fahrzeiten und Umsteigevorgänge verlängern – und Umweltbelastungen mit der Reaktivierung einhergehen.“ Der Verkehrsdezernent bilanzierte: ,,Mit dem, was heute die Aartalbahn darstellt, mit diesem Streckenverlauf, mit der Führung um die Wiesbadener Innenstadt herum, ist kein Staat zu machen.“

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